Maul- und Klauenseuche früher

Die derzeit auftretende Maul- und Klauenseuche machte den Menschen und ihrem Vieh auch schon früher zu schaffen.

Johann Krämer, heute 78, erinnert sich, daß einmal im Jahr 1938 und nach dem Zweiten Weltkrieg in Fell und der Umgebung die Maul- und Klauenseuche auftrat. Damals begegnete man dem Ausbruch der Krankheit mit weniger drastischen Maßnahmen als heute. Vor den Ortsein- und -ausgängen streute man Sägemehl aus, das mit einer Desinfektionslösung „Lisol“ getränkt wurde. Alle Viehfuhrwerke, die von außerhalb kamen, mußten über dieses Sägemehl fahren.

Das befallene Vieh wurde nicht getötet, sondern behandelt. Man stellte es mit den Hufen in Eimer, die auch die Desinfektionslösung Lisol enthielten. Anschließend wurde dem erkrankten Tier ein Stück Holz quer ins Maul geschoben und man pinselte das Maul von innen ein. Diese Prozedur erstreckte sich über mehrere Wochen, danach waren die Tiere geheilt und wieder einsatzfähig. Tiere, die nicht erkrankt waren, wurden geimpft.

Früher wurde das Vieh nur sekundär zur Fleischherstellung gehalten, in erster Linie halfen die Tiere als Zugtiere bei der Feldarbeit. Es war durchaus normal, daß eine Kuh älter als zehn Jahre wurde. Ein junges Tier hätte damals niemand zum Schlachter geführt. Das Verhältnis der Bauern zu ihrem Vieh war auch sehr persönlich. Jeder Bauer hatte nur wenige Tiere, die in der Regel alle einen Namen hatten.

Johann Krämer erzählte zum Beispiel, daß eine ihrer Kühe die Angewohnheit hatte, jeden Abend bevor sie nach getaner Arbeit in den Stall ging, mit dem Maul ans Küchenfenster zu klopfen und darauf zu warten, das seine Mutter ihr ein Butterbrot gab.