Hochzeit und Kuhstall

Kurz vor Beginn des zweiten Weltkrieges trug es sich zu, daß der unbescholtene Feller Bürger Josef Otto Hochzeit halten wollte. Seine Angebetete stammte aus einer wohlhabenden Hunsrücker Bauernfamilie. Die Habe von Josef Otto beschränkte sich nur auf zwei armselige Kühe, die im bescheidenen Stall seines Vaters standen.

Der Tag der Eheschließung nahte und Josef wurde es ganz bang ums Herz. Er hatte Angst angesichts seiner Armut vom Vater der Braut nicht akzeptiert zu werden. In seiner Nachbarschaft wohnte Josef Merz, ein gutmütiger Feller Bürger und stolzer Besitzer von vier stattlichen Kühen und einem schönen Pferd. Um dem armen Bräutigam zu helfen, bot er seinem Namensvetter an, sein Vieh für den Tag der Hochzeit auszuleihen, damit er die künftige Verwandtschaft ohne Angst zur Besichtigung des Kuhstalls einladen konnte.

Ein listiger Zeitgenosse, Josef Jakobs, genannt „Spitzer Jupp“, erfuhr von dem Abkommen und heckte einen schelmischen Plan aus.

Am Tag der Hochzeit ging er zum allabendlichen Plausch in den „Hitlerecken“. (Grenze von heutiger Kirchstrasse/Neustrasse). Dort traf man sich nach getaner Arbeit, rauchte, hielt ein Schwätzchen und tauschte die neuesten Gerüchte aus. Dort weihte er alle Anwesenden in seinen Plan ein. Nach einer gewissen Zeit gesellte sich auch der großzügige Viehverleiher Josef Merz in die Runde. Man sprach über dieses und jenes, bis „Spitzer Jupp“ wie zufällig die Bemerkung fallen ließ: „Ist es nicht schrecklich, da kommt just am Tag der Hochzeit der Gerichtsvollzieher zu Josef Otto und geht geradewegs in den Stall zum Pfänden….“

Josef Merz wurde kreidebleich, nahm die Beine in die Hand und rannte in Panik zum Stall des Bräutigams, um sein Vieh vor den Klauen des Gerichtsvollziehers zu retten.

Wenige Tage später fand sich unter „Lokales“ im Trierischen Volksfreund ein Artikel mit der Überschrift: „Hochzeit und Kuhstall“.