Das Hasenkreuz

Die Gemeinde Mehring besaß im letzten Jahrhundert auf dem Mehringerberg ein Viehhaus. Große, satte Wiesen lagen in der Nähe der „Dicken Eiche,“ die heute als Naturdenkmal am Rand der K steht. Die meisten Bauern und Winzer besaßen nur wenige Kühe und Rinder neben ihrer Landwirtschaft und dem Weinbau. Die Tiere wurden in der Regel auf die Wiesen getrieben, die dem Dorf gehörten und dort gemeinsam gehütet. Am rechten Moselufer in der Tallage hatte Mehring weitere Wiesen und Ställe, die diesem Zweck dienten. Im Volksmund nannte man damals diese Weideflächen: „Kühstantinopel“.

Das Hüten der Tiere überließ man den Kindern, die nach der Schule zu Fuß auf den Berg wanderten. Die Kinder vertrieben sich den Nachmittag auf der Weide mit den verschiedensten Spielen. Besonders populär war das „Hängchesspiel“. Es sorgte für Nervenkitzel unter den Jungs. Der Sinn des Spiels lag darin sichgegenseitig an einem Baum so lange aufzuhängen bis der Gehenkte abwinkte, weil er keine Luft mehr bekam. Wer es am längsten aushielt, hatte gewonnen.

Es trug sich eines Tages zu, daß drei Jungen zum Viehhüten auf den Mehringer Berg stiegen. Sie langweilten sich schnell, und einer der drei schlug vor „Hängches“ zu spielen. Die beiden anderen waren sofort einverstanden. Man band einer Kuh den Strick ab und zählte aus, wer zuerst „gehängt“ wurde. Dem Jungen legten sie den Strick um den Hals. Einer hob ihn auf den Schultern hoch, der andere schlang den Strick um einen dicken Ast und band ihn fest. Der Henker tauchte vorsichtig unter dem Opfer weg bis er allein am „Galgen“ hang. Die beiden Jungen begannen zu zählen. „Schau mal!“ rief der eine plötzlich und schaute auf einen Hasen, der über die Weide lief. Meister Lampe hatte nur drei Beine und erregte mit seiner ungewöhnlichen Verstümmelung das Aufsehen der Jungen. „Wir wollen ihn fangen!“ rief der eine, und die beiden liefen los. In ihrem jugendlichen Leicht- und Frohsinn vergassen sie den Freund, der hinter ihnen am Galgen hing und sich nicht rühren, geschweige denn etwas rufen konnte. Als sie von der Hasenjagd zurückkamen, war er tot…

Zum Andenken an diesen tragischen Unglücksfall errichtete man auf dem Mehringer Berg ein Holzkreuz, das heute noch im Volksmund als Hasenkreuz bekannt ist.